Sven (史文哲)

subjektiv, direkt und selten seriös.

wer braucht schon modernen wahlkampf?

wahlkampfstrategien gibt es wie sand am meer. jedes jahr gibt es einen neuen trend und nach dem grandiosen wahlsieg von obama in den usa, wurde auch endlich das internet intensiv als wichtiges politisches medium genutzt. gerade bei der bundestagswahl hat man gesehen, dass sich eine kleine partei nur durch ihren starken fokus auf das internet 2% – und damit einen achtungserfolg- erlangen konnte. man meint also, dass sich die taktiken des wählerfangs in den letzten jahren verändert und gewandelt haben.

doch weit gefehlt: so mancher wahlkämpfer setzt gezielt auf das gegenteil und imitiert taktiken, die er schon vor 8 jahren genutzt hat. so gerade im wahlkampf in der nachbargemeinde mühlacker. dort setzt amtsinhaber arno schütterle wieder voll auf bewährte mittel. so verteilt der „rosenkavalier“ wie schon vor 8 jahren als werbemittel rote rosen. auch das design seiner homepage erinnert mehr an zeiten von windows 3.1 als an einen zeitgemäßen internetauftritt. sein klappflyer ist übrigens auch in diesem ocker-design gehalten.
man setzt also gezielt auf den amtsinhaber-bonus und verzichtet sogar auf eine kernsäule des letzten wahlkampfs: die hausbesuche. als kommunikationsmittel bietet man statt dessen ein bürgerbüro an. dieses büro hat man auch noch (gezielt?) direkt neben dem ausgestorbenen mühlehof-areal plaziert.
statt weiterentwicklung steht also abbau auf dem programm. der wahlkampf als ausblick auf eine nächste amtszeit?

ich bin mal gespannt, ob man damit den wähler überzeugen und mobilisieren kann. natürlich kommt es bei der politik im wesentlichen auf die inhalte an, aber gerade in mühlacker muss der amtsinhaber den wahlkampf nutzen um 8 jahr stillstand und streit möglichst gut zu verschleiern.
ich bin gespannt.

Oktober 12, 2009 Posted by | privat | , , , , , , , , | 3 Kommentare

eigentore im ob-wahlkampf

natürlich bin ich kein unabhängiger wahlkampfbeobachter in mühlacker – keine frage – aber trotzdem versuche ich aus einer möglichst objektiven sicht über manche dinge im wahlkampf zu bloggen :-)

am 25. oktober findet die oberbürgermeisterwahl statt und in diesem kurzen power-wahlkampf bleibt wenig zeit zum verschnaufen. nach der offiziellen kandidatenvorstellung gestern gewinnt das duell schütterle vs. schneider an brisanz.

während frank schneider im wahlkampf auf die neuen medien, bürgerabende und haustürgespräche setzt, versucht der amtsinhaber es mit anderen mitteln. so wurden gezielt leserbriefe geschrieben um den ob ins rechte licht zu rücken. blöd nur, dass diese kampagne sehr einfach zu durchschauen war.

alles jedoch nicht weiter schlimm. jetzt kommen wir zu den störenden punkten:

als kommunalpolitisch interessierter junger mensch versuche ich natürlich möglichste viele bürgergespräche bzw. bürgerabende zu besuchen um mich so über die themen vor ort zu informieren. ich habe keinen jahrelangen gemeinderatshintergrund und deshalb ist das ne tolle möglichkeit einen einblick in so einen wahlkampf direkt vor ort zu erlangen.
aus diesem grund habe ich jetzt einige bürgerabende von frank schneider besucht und jedes mal fiel mir auf, dass in den reihen interessierter menschen der politische gegner seine spione sitzen hatte. das ist natürlich kein problem, aber wenn dann aus diesem block bohrende, unsachliche und teilweise unangebrachte fragen gestellt werden um den kandidat aus dem konzept zu bringen bzw. schlecht aussehen zu lassen, dann ist dies nur als schlechter stil zu werten. besonders beim bürgerabend in großglattbach als der  schütterle-unterstützer gotthilf großmann vermehrt in vorwurfsvollen ton den herausforderer anging, zeigte sich diese stör-taktik. nun will ich herrn schütterle nicht unterstellen, dass er gezielt störer „brieft“ und sie auf die veranstaltungen schickt, aber eine gewisse methodik scheint dann doch dahinter zu sein, wenn dies bei jeder veranstaltung passiert.

denn auch bei der offiziellen kandidatenvorstellung wurden gezielt solche fragen aus dem schütterle umfeld gestellt. nicht zu letzt dieser herr großmann hatte am donnerstag im mühlehof eine der unsachlichsten fragen gestellt, hatte sich aber selbst aufs kreuz gelegt in dem er mit fehlinformationen ausgestattet war und somit frank schneider die möglichkeit zur korrektur gab. diese peinlichkeit hat sicherlich an ihm genagt und lässt wahrscheinlich auch seine aktionen beim bürgerabend in großglattbach erklären.

das positive ist jedoch, dass diese stör-taktik auf völliges unverständnis, kopfschütteln und augenrollen beim bürger stößt. in einer demokratie sollte jeder die möglichkeit haben, seine konzepte frei vorstellen zu können und wenn hierbei der politische gegner versucht negativen einfluss zu nehmen, so ist dies nur als schlechter stil zu werten.

soweit mein eindruck für heute. das ist kein wahlkampf-post, sondern einfach mal meine eindrücke der letzten tage…

Oktober 10, 2009 Posted by | privat | , , , , , , , , | 1 Kommentar

offizielle kandidatenvorstellung mühlacker

am 8. oktober (also gestern) gab es die erste große stimmungsprobe für die oberbürgermeisterwahl in mühlacker. die beiden kandidaten arno schütterle (amtierender oberbürgermeister) und frank schneider mussten sich vor einem nicht ganz gefüllten mühlehof zuerst in einer knapp 15-minütigen rede präsentieren und danach fragen aus dem publikum beantworten. natürlich wurde das vom wahlleiter mit einer überdimensionalen stoppuhr, die stark an die 70er/80er jahre erinnerte, mitgestoppt.
während der reden musste der jeweils nicht-redende kandidat übrigens den saal verlassen.

frank schneider durfte beginnen und legte seine schwerpunkte auf bildung, mühlehof und seinen wahlkampfslogane „mühlacker einen“. mühlacker müsse raus aus den negativen schlagzeilen der streitigkeiten im gemeinderat, hin zu einem gemeinsamen, lösungsorietierten denken. zudem zeigte er deutlich auf, dass beim mühlehof endlich etwas passieren muss und das man beim thema dsl auch mal handeln muss. seine visionen wurden mit langem und starkem applaus bedacht.

die frau des amtsinhabers hatte auch während der rede des herausforderers fleißig mitgeschrieben und verließ dann kurz vor ablauf der zeit den raum. ein schelm wer hierbei böses denkt.

ob es was gebracht hat, kann ich nicht beurteilen. schütterle wirkte nervös und redete viel zu schnell. viele im saal beklagten sich über das schnelle redetempo. auch er versuchte im bereich bildung schwerpunkte zu setzen. das große reizthema mühlehof sprach er jedoch mit keinem wort an. seine sehr softe und rückwärtsgewandte rede wurde folgerichtig auch mit weniger applaus bedacht.

der schon angeschlagen wirkende schütterle bekam zudem in der fragerunde noch den vollständigen abrieb, als sich ein ehemaliger wähler beklagte, dass er auf eine anfrage 8 jahre lang keine antworten aus dem rathaus bekam. das der saal bei solch einer unsachlichen frage jedoch zustimmte und applaudierte statt sich über den unsachlichen stil aufzuregen, zeigte deutlich, dass der amtsinhaber an diesem abend keinen guten stand hatte.

bei einer antwort unterlief im zudem noch ein peinlicher fehler, der zwar nur einer kleinen runde auffiel, aber durchaus zum angeknockten eindruck beitrug: er bezeichnete einen fragesteller als aktiven twitterer und facebooker, hatte aber diesen aufgrund ähnlich klingender namen verwechselt. dies wurde natürlich danach noch vom ebenfalls anwesenden twitterer klargestellt :-)

alles in allem: ein klarer punktsieg für frank schneider. arno schütterle konnte an diesem abend nicht überzeugen. nun bin ich auf die jetzt folgenden wochen des wahlkampfes gespannt. die stimmung in mühlacker scheint momentan klar zu kippen.

Oktober 9, 2009 Posted by | privat | , , , , , , , | 2 Kommentare