Sven (史文哲)

subjektiv, direkt und selten seriös.

podiumsdiskussion im uhlandbau

erst einmal vielen dank an die zahlreichen leser meines blogs, die mich gestern auf meine einträge angesprochen haben. schön zu hören, dass meine beiträge einigen ganz gut gefallen :-)

nun zur veranstaltung gestern abend: ab 19 uhr wurde im uhlandbau diskutiert. die themenauswahl sowie die moderation wurde von herrn thomas eier vom mühlacker tagblatt übernommen. soweit die fakten.

bei der vorstellungsrunde verwies arno schütterle auf seinen lebensweg im gehobenen staatsdienst, konzentrierte sich jedoch auf seinen arbeit als entwicklungshelfer in afrika. er versuchte das ganze zu emotionalisieren und dadurch seine „menschliche“ seite nach vorne zu bringen. das hatte jedoch nichts mit der qualifikation als oberbürgermeister und schon gar nichts mit mühlacker zu tun.

frank schneider, der stark regional verwurzelt ist, beschrieb kurz seinen lebensweg und beschränkte sich auf die fakten und seine starke bindung zu mühlacker. schütterle holte also aus und schneider blieb kurz und prägnant. dies sollte sich auch durch den ganzen abend ziehen.

danach folgte eine ganze harte phase für arno schütterle. es ging um die „atmosphärischen störungen“ zwischen stadtverwaltung und gemeinderat und hier ging der amtsinhaber in die offensive und machte abfällige kommentare über die unterstützung der parteien für frank schneider. daraufhin meldete sich dr. roland peter (fraktionvorsitzender der spd) für ein kurzes zwischenstatement, in dem er den ob massiv anging und sagte, dass die spd ihn vor 8 jahren unterstützt habe, nun aber enttäuscht von seiner arbeit sei und deshalb einen wechsel wolle. es brandete applaus auf.

schütterle wirkte nun in den nächsten minuten etwas konfus. währenddessen erklärte frank schneider, dass der rückenwind aus den fraktionen gut tue, aber die bürger mühlackers den ob wählen würden und nicht die parteien. erneut applaus.

schütterle bekam in den ersten statements nach dem thema gemeinderat kaum mehr einen fuß auf den boden und suchte sein heil in der offensive. so gäbe es seiner meinung nach schon zu viele juristen (klare anspielung auf frank schneiders beruf) und stichelte gegen die regionale verankerung von schneider, der seiner meinung nach eben nie aus mühlacker rauskam. bei diesen unsachlichen sticheleien ging ein raunen durchs publikum.

deshalb wechselte schütterle wieder in die defensive und versuchte möglichst keine inhalte und zukunftsvisionen anzusprechen. beim thema mühlehof, bei den finanzen sowie bei der stadtentwicklung wurde er entweder vom publikum (durch zwischenfragen) oder von den moderatoren ermahnt auf die fragen zu antworten und nicht nur die letzten 8 jahre revue passieren zu lassen oder auf den gemeinderat einzudreschen.

schneider blieb trotz einiger kanten des ob ruhig und spulte seine argumente ab. gerade beim thema mühlehof konnte er punkten. seine antworten waren prägnanter und gewohnt ruhig und sachlich vorgetragen. schütterle, der gegen ende seine anfangsprobleme etwas überwinden konnte, verstrickte sich jedoch in generelle schelte über die umverteilung innerhalb der bundesrepublik. wer konkrete pläne für mühlacker hören wollte, wurde während seiner redezeit nicht fündig.

hinter mir saßen übrigens 3-4 schütterle-anhänger, die durch den eher schwachen auftritt ihres kandidaten etwas angesäuert waren. das ließ mich natürlich das ein oder andere mal natürlich schmunzeln :-)

unterm strich bin ich mir sicher, dass die unentschlossenen gestern eher von frank schneider überzeugt wurden. der ob wirkte angespannt und nervös und das nahm auch das publikum wahr. natürlich kann ich das nich zu 100% objektiv betrachten, aber das feedback, dass ich nach der veranstaltung bekommen habe, ging schon in diese richtung. auch bei twitter fand ich nur beiträge, die eher schneider vorne sahen.

nach den punktsiegen von schneider bei der kandidatenvorstellung sowie bei der podiumsdiskussion gestern, darf man gespannt sein wie mühlacker am sonntag wählt.

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Oktober 23, 2009 Posted by | privat | , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

dsl für herrn schütterle

„Für mich kommt die OB-Wahl ein Jahr zu spät. Letztes Jahr hätte man noch glänzen können, jetzt kann man nichts mehr versprechen.“

dieses zitat von arno schütterle fasst meiner meinung nach wunderbar das aktuelle auftreten des mühackerer oberbürgermeisters zusammen. schütterle fehlen die kreativen und realisierbaren ideen für mühlacker. er hat keine vision und kann sich aufgrund der leeren kassen auch nicht mit versprechungen über wasser halten. einfach so weitergehen wie momentan, kann es nicht. darüber sind sich auch alle in der stadt einig…
die zeit für einen wechsel scheint also gekommen zu sein und das spürt scheinbar auch schütterle.

der interessierte bürger vermisst eine klare positionierung des amtsinhabers, wo er mühlacker in den nächsten jahren sieht und was er verändern möchte. zum dilemma mühlehof verliert er kaum bis gar keine worte (siehe bericht zur kandidatenvorstellung) und das thema dsl taucht erst gar nicht auf seiner agenda auf. aber gerade das thema breitbandzugang ist ein elementarer eckpunkt einer modernen stadt und eines attraktiven wirtschaftsstandortes. hier zeigt das beispiel diefenbach, dass man auch etwas erreichen kann…

…wenn man nur will.

übrigens: vielleicht liegt es ja an der langsamen verbindung, dass herr schütterle im wahlkampf bewusst das internet und all seine möglichkeiten ignoriert :-)

Oktober 15, 2009 Posted by | privat | , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

wer braucht schon modernen wahlkampf?

wahlkampfstrategien gibt es wie sand am meer. jedes jahr gibt es einen neuen trend und nach dem grandiosen wahlsieg von obama in den usa, wurde auch endlich das internet intensiv als wichtiges politisches medium genutzt. gerade bei der bundestagswahl hat man gesehen, dass sich eine kleine partei nur durch ihren starken fokus auf das internet 2% – und damit einen achtungserfolg- erlangen konnte. man meint also, dass sich die taktiken des wählerfangs in den letzten jahren verändert und gewandelt haben.

doch weit gefehlt: so mancher wahlkämpfer setzt gezielt auf das gegenteil und imitiert taktiken, die er schon vor 8 jahren genutzt hat. so gerade im wahlkampf in der nachbargemeinde mühlacker. dort setzt amtsinhaber arno schütterle wieder voll auf bewährte mittel. so verteilt der „rosenkavalier“ wie schon vor 8 jahren als werbemittel rote rosen. auch das design seiner homepage erinnert mehr an zeiten von windows 3.1 als an einen zeitgemäßen internetauftritt. sein klappflyer ist übrigens auch in diesem ocker-design gehalten.
man setzt also gezielt auf den amtsinhaber-bonus und verzichtet sogar auf eine kernsäule des letzten wahlkampfs: die hausbesuche. als kommunikationsmittel bietet man statt dessen ein bürgerbüro an. dieses büro hat man auch noch (gezielt?) direkt neben dem ausgestorbenen mühlehof-areal plaziert.
statt weiterentwicklung steht also abbau auf dem programm. der wahlkampf als ausblick auf eine nächste amtszeit?

ich bin mal gespannt, ob man damit den wähler überzeugen und mobilisieren kann. natürlich kommt es bei der politik im wesentlichen auf die inhalte an, aber gerade in mühlacker muss der amtsinhaber den wahlkampf nutzen um 8 jahr stillstand und streit möglichst gut zu verschleiern.
ich bin gespannt.

Oktober 12, 2009 Posted by | privat | , , , , , , , , | 3 Kommentare

offizielle kandidatenvorstellung mühlacker

am 8. oktober (also gestern) gab es die erste große stimmungsprobe für die oberbürgermeisterwahl in mühlacker. die beiden kandidaten arno schütterle (amtierender oberbürgermeister) und frank schneider mussten sich vor einem nicht ganz gefüllten mühlehof zuerst in einer knapp 15-minütigen rede präsentieren und danach fragen aus dem publikum beantworten. natürlich wurde das vom wahlleiter mit einer überdimensionalen stoppuhr, die stark an die 70er/80er jahre erinnerte, mitgestoppt.
während der reden musste der jeweils nicht-redende kandidat übrigens den saal verlassen.

frank schneider durfte beginnen und legte seine schwerpunkte auf bildung, mühlehof und seinen wahlkampfslogane „mühlacker einen“. mühlacker müsse raus aus den negativen schlagzeilen der streitigkeiten im gemeinderat, hin zu einem gemeinsamen, lösungsorietierten denken. zudem zeigte er deutlich auf, dass beim mühlehof endlich etwas passieren muss und das man beim thema dsl auch mal handeln muss. seine visionen wurden mit langem und starkem applaus bedacht.

die frau des amtsinhabers hatte auch während der rede des herausforderers fleißig mitgeschrieben und verließ dann kurz vor ablauf der zeit den raum. ein schelm wer hierbei böses denkt.

ob es was gebracht hat, kann ich nicht beurteilen. schütterle wirkte nervös und redete viel zu schnell. viele im saal beklagten sich über das schnelle redetempo. auch er versuchte im bereich bildung schwerpunkte zu setzen. das große reizthema mühlehof sprach er jedoch mit keinem wort an. seine sehr softe und rückwärtsgewandte rede wurde folgerichtig auch mit weniger applaus bedacht.

der schon angeschlagen wirkende schütterle bekam zudem in der fragerunde noch den vollständigen abrieb, als sich ein ehemaliger wähler beklagte, dass er auf eine anfrage 8 jahre lang keine antworten aus dem rathaus bekam. das der saal bei solch einer unsachlichen frage jedoch zustimmte und applaudierte statt sich über den unsachlichen stil aufzuregen, zeigte deutlich, dass der amtsinhaber an diesem abend keinen guten stand hatte.

bei einer antwort unterlief im zudem noch ein peinlicher fehler, der zwar nur einer kleinen runde auffiel, aber durchaus zum angeknockten eindruck beitrug: er bezeichnete einen fragesteller als aktiven twitterer und facebooker, hatte aber diesen aufgrund ähnlich klingender namen verwechselt. dies wurde natürlich danach noch vom ebenfalls anwesenden twitterer klargestellt :-)

alles in allem: ein klarer punktsieg für frank schneider. arno schütterle konnte an diesem abend nicht überzeugen. nun bin ich auf die jetzt folgenden wochen des wahlkampfes gespannt. die stimmung in mühlacker scheint momentan klar zu kippen.

Oktober 9, 2009 Posted by | privat | , , , , , , , | 2 Kommentare